Es tut sich was!

Im Sommer haben sich die Ereignisse überschlagen. Anfang Juli erreichte uns diese Mail von unserer MItarbeiterin Gabriele Schwarz vor Ort:

Liebe Yaakar Kollegen,

mit großer Freude möchte ich Euch mitteilen, dass unser politischer Kampf vorbei ist. Der Präsident vom Senegal – Macky Sall – hat entschieden, dass ab sofort der Missbrauch der Kinder, die zum Betteln auf die Straße gezwungen werden, verboten ist. Alle illegalen Daaras werden sofort geschlossen und die Kinder werden von den Straßen eingesammelt. Der Druck der Zivilgesellschaft, den wir seit ein paar Jahren konstant aufbauen, hatte nun ein Level erreicht, wo eine Entscheidung immanent wurde. Unicef hatte angedroht, dass sie ab sofort die Unterstützung im Senegal einstellt. Der Gerichtshof für Menschenrechte wollte den Staat Senegal offiziell anklagen. John Kerry aus USA selbst hat sich vor Ort von der Lage überzeugt und hat den Senegal auf die Beobachtungsstufe Tier 2 gesetzt – eine Stufe vor der offiziellen Anklage. Alles gar nicht gut für einen Staat, der zu den Schwellenländern aufschließen will.

So… nun aber was? Es spielen sich Herz zerreissende Szenen auf den Straßen ab. Man hat in Dakar angefangen, Straßenzug für Straßenzug die Kinder einzusammeln, die natürlich nicht wissen, was da gerade mit ihnen passiert. Ab Morgen beginnt dies auch in Pikine. Alleine in Dakar und Umgebung betrifft dies 36.000 Kinder? Wohin nun mit ihnen. Yaakar wurde bisher als Tageszentrum gelistet. Gestern und heute war der Präfekt mit Delegation da und hat uns gebeten, Yaakar als Kinderheim für eine rundum Betreuung einzurichten – und zwar ab sofort.

Maguette und Ndaraw sind nun umgehend nach Pikine gefahren und treffen sich dort mit den anderen vom Team. Auch wenn unser Yaakar Zentrum im Moment für einen ständigen Aufenthalt nicht geeignet ist, müssen wir dennoch sofort handeln. Im gleichen Gebäude befindet sich auch ein Kindergarten unten im Erdgeschoss neben uns, der zum Glück für die Zeit der Ferien geschlossen ist. Den räumen wir jetzt erst mal um und machen daraus ein Schlaflager. Wir müssen die Küche ausbauen. Wir brauchen vor allem Helfer. Yaakar ist jetzt 24/24 Stunden Arbeit.

Wie sagt man so schön: Berührt, geführt. All dies war immer unser Traum. Dass das natürlich jetzt so plötzlich kommt, konnte niemand ahnen. Ihr könnt stolz auf Euch sein. Durch eure Mithilfe hatten wir immer die Chance, Yaakar am Laufen zu halten. Durch unsere Lobbyarbeit auf der Straße und in unzähligen Versammlungen sind wir ein Begriff für den Schutz der Talibé Kinder geworden. Viele andere Organisationen haben uns angerufen und wir haben uns gegenseitig beglückwünscht.

Die eigentliche Arbeit geht nun los. Heute Abend wird nach Besichtigung entschieden, wie viele Kinder wir zugesprochen bekommen. Wir schätzen zwischen 20-30 Kinder. Wie dann alles konkret weiter geht, müssen wir schauen, aber unser Ziel ist, ein wirkliches Heim aufzubauen. Einige Kinder können wir vielleicht in ihre Familien zurückbringen. Andere Kinder werden aber viele Jahre bei uns bleiben, bis sie ein eigenständiges Leben führen können. Und dann müssen wir natürlich den Druck aufrecht erhalten, dass nicht nach ein paar Wochen das Ganze wieder vor vorne beginnt.

Update 12.07.2016

Wir haben das ganze Wochenende geschuftet, um unser Yaakar Zentrum so umzubauen, dass nun bis zu 50 Kinder auch bei uns übernachten können. In einem weiteren Außenhof bauen wir gerade 2 Toiletten und 2 Duschen ein und eine Reihe Wasserhähne. Alles wurde neu gestrichen, der große Raum ist mit Matratzen ausgelegt etc. Das Krankenhaus in der Nähe hat uns 10 Moskitonetze vorbeibringen lassen (Siehe Bilder vom vorherigen Beitrag...) Heute Nachmittag kommt die Delegation mit Präfekt und Bürgermeister und sie schauen sich alles an. Wenn die Konditionen stimmen, werden wir dann in Kürze die Kinder erhalten. Im Moment ist eine gespenstische Ruhe auf den Straßen. Kein einziges Kind zu sehen. Die werden bestimmt eingesperrt.

Wir wollen die Behörden heute auch auffordern, dass wir in die Daaras gehen und zumindest nach „unseren“ Kindern schauen, die wir bisher schon betreuen. Amnesty International hat davor gewarnt, dass die Kinder versteckt werden in der Hoffnung, dass sich die Aufregung bald legt und es wieder von vorne losgehen kann. Ich glaube aber, dass es der Präsident sehr ernst meint. In der Region von Kaolack hat ein ranghoher Marabout dem Präsidenten mit einer Fatwa gedroht, wenn er das Dekret nicht zurücknimmt. Das wäre ein islamisches Gerichtsurteil, dass seiner Meinung nach über dem des Staates steht. Daraufhin hat Macky Sall den Marabout zunächst mal in Gewahrsam genommen. Prima.

Demo 06.08.2016

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Anfang August war es dann leider wieder soweit, dass wir mit einem Protestmarsch mit anderen Organisationen darauf aufmerksam gemacht haben, dass die Kinder nach wie vor beim Betteln sind.

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Unser Team vor Ort:

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Unser Geschäftsführer von Yaakar Senegal Maguette gibt ein Interview:

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Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden und wir sind nach wie vor auf Spenden angewiesen, um unser Zentrum zu finanzieren.